Von der Schnapsidee auf den Balkon.

Ihr kennt es doch alle, Sonntagnachmittag im kalten, nassen Januar. Man sitzt mit einem Kakao vor dem Computer und surft durch die Lieblingsblogs. Auf dem Kistengrün Blog von Mel, habe ich dann „den Kartoffelpost“ gefunden. Wie Kartoffeln auf dem Balkon? Ich dachte dafür braucht man einen Acker? Mein Interesse war geweckt und die Recherche begann.

Ich meine, wie cool ist das denn, eigene Kartoffeln! So als Stadtkind hatte ich auch noch nie eine Kartoffelpflanze in Live und  Farbe gesehen. Es ist eigentlich ganz einfach.

Von Pflanzkartoffeln

Zuerst muss man überlegen, welche Kartoffelsorte man den überhaupt anbauen möchte. Es gibt schließlich nicht nur mehlig, vorwiegend festkochend und festkochend sowie frühe, mittelere und späte Sorten . Nein, diese Attribute verteilen sich auf unzählige einzelne Kartoffelsorten. Alte, neue, Sorten die es auch im Supermarkt gibt oder historische Sorten aus dem 19.Jahrhundert. Dazu kommen rote, gelbe, violette oder sogar schwarze Kartoffeln. Zudem gibt es wohl Kartofffeln die besser für Säcke und Eimer geeignet sind als andere, bei meiner Recherche habe ich jedoch teilweise sehr gegenteilige Aussagen dazu gefunden, weshalb ich hier auf eine Verlinkung verzichte.

Welche Pflanzkartoffeln ihr im zeigen Frühjahr erwerbt, ist schlussendlich euch überlassen, ich mag aber historische Pflanzen immer am liebsten. Ich finde Pflanzen, die ihren Ursprung zu Beginn des letzten oder sogar vorletzten Jahrhunderts haben irgendwie spannender. So ein Hauch von Nostalgie, passend dazu empfehle ich euch Pflanzmärkte und Tauschbörsen aufzusuchen. Die Tipps die man dort von den jeweiligen Züchtern erhält sind absolutes Gold wert!

Vom Vorkeimen

Kartoffeln finden es leider nicht wirklich witzig, wenn man sie einfach so und ohne jegliche Vorbereitung in die Erde steckt. Daher beginnt man bereits Ende Februar bis Mitte März damit, seine Saat- oder Pflanzkartoffeln vorkeimen zu lassen. Wurden gekeimte Kartoffeln bisher immer entsorgt, weil sie irgendwann nicht mehr essbar waren, so provozieren wir genau dies jetzt. Um Kartofffeln schön zum keimen zu bringen, gibt es mehrere Methoden – von denen ich keine Einzige getestet habe. Denn wir haben einen magischen Wandschrank, Kartoffeln lieben diesen Schrank einfach und fangen innerhalb weniger Tage das Keimen an. Wer keinen „Schrank unter der Treppe“ hat, muss auf herkömmliche Methoden zurück greifen. Ich empfehle hier die Kartoffeln einfach in eine Eierverpackung zu setzen und sie an einem hellen und warmen Ort zu lagern, nach spätestens zwei Wochen sollten sich einige kleine Keime zeigen.

Wie und wann man Kartoffeln richtig pflanzt

Das „Wann?“ ist einfach zu beantworten, an besten, wenn es draußen durchgehend mehr als 8°C hat, ist es kälter stellt die Kartoffeln ihr Wachstum ein und ihr wartet ewig darauf, dass kleine Triebe das Licht der Welt erblicken. Meistens ist das Ende März bis Mitte April der Fall. An dieser Stelle ist vor allem auch euer Bauchgefühl entscheidend. Da es 2017 zwar Anfang März schon sehr warm war, es anschließend aber wieder kälter wurde, habe ich meine „Annabelle“ erst Mitte April in die Säcke gebracht.

Das „Wie?“ hat die liebe Neues vom Landei in einigen wirklich tollen Videos gezeigt. Ich könnte es nicht besser erklären.

Natürlich ist es mitten  in der Stadt und ohne Garten nicht so einfach „Laub“ zu organsieren, ich habe daher Blähtonkugeln und Mulch verwendet. Zudem normale Blumenerde, Gemüseerde und etwas Kartoffeldünger sowie Hornspäne, damit die Kartoffeln eine sehr nährstoffreiche aber lockere Erde vorfinden.

Vom Anhäufeln – oder wie kümmere ich mich um meine Kartoffeln?

Sobald die ersten Triebe ca. 15-25cm aus der Erde schauen, müssen wir unsere Kartoffelpflanze dringend anhäufeln. Für Kartoffeln im Sack bedeutet anhäufeln, dass man vorsichtig so viel Erde in den Sack gibt, bis die Kartoffeln nur noch ca. 5-10cm aus der Erde gucken. Das kleinere Triebe dabei wieder vollständig unter der Erde verschwinden ist okay. Damit überhaupt Erde aufgefüllt werden kann, muss natürlich der Sack entsprechend hoch gekrempelt werden. Es ist zudem sehr wichtig, dass die Pflanze nicht dauerhafter Staunässe ausgesetzt ist, passiert dies, können eure gerade erst wachsenden Kartoffeln in der Erde verfaulen und ihr habt am Ende des Sommers nichts zu ernten. Häufig erkranken Kartoffeln zudem an der Kraut- und Braunfäule, bevor es die ganze Kartoffelpflanze dahinrafft sollte man dringend ernten.

Wann kann die Kartoffel geerntet werden?

Hier muss zwischen einem richten Erwerbsbauern und uns als Balkongärtner unterschieden werden. Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Anbaukultur in der Landwirtschaft nicht näher auseinander gesetzt habe, denn alle anderen Aussagen sind sich einig. Man kann die Kartoffeln ca. ab der Blüte ernten, da sie dann richtig beginnen Knollen zu bilden. Wenn man Zeit und Platz hat, wartet man bis die Pflanzen von selbst anfangen zu welken und gelb bis braun werden.  Auch ich möchte gerne mit meinen Kartoffeln abwarten, bis sie verwelken.

 

Und? Wer von euch überlegt jetzt ganz spontan noch einen alten Sack Blumenerde mit Kartoffeln zu bestücken?

Habt ihr vielleicht selbst schon Kartoffeln im Sack oder im Eimer angebaut, wenn ja, wie ist eure Ernte ausgefallen?